SURM – Ultra Radmarathon

Für unterwegs

Für unterwegs

An diversen “kleineren” Veranstaltungen habe ich bisher schon teilgenommen, dabei aber immer nur Strecken unter 100km und unter 2000Hm bewältigt. Je nach Schwierigkeitsgrad und Gelände war ich nie länger als 4-5h unterwegs, was ich schon hart genug fand für meinen Trainingsstand. Dieses Frühjahr bekam ich Wind von einem Marathon in und um Alpirsbach, dem Hansgrohe Surm (über den es sogar einen eigenen Wikipedia-Artikel gibt).

Die “Kurzdistanz” über 150km hätte ich mir ja durchaus zugetraut, die lange Runde eher weniger. Ein radelnder Arbeitskollege (und Surm-Teilnhemer letztes Jahr), mit dem ich hin und wieder mal eine Runde drehe, war jedoch der Meinung die große Runde wäre gar nicht so schlimm und bei meinem Trainingsstand durchaus machbar. Es hatte mich von Anfang an schon gereizt und nach langem hin und her Überlegen hab’ ich mich dann doch entschlossen die lange Distanz in Angriff zu nehmen. So stand ich dann am letzten Sonntag früh um 07:15 in Alpirsbach am Start, 244km und 3600Hm vor mir.

Nun, wie es wahrscheinlich vielen Teilnehmern bei solchen Veranstaltungen geht, am Anfang war ich noch sehr zuversichtlich, es ging recht flott durch die Täler und einigermaßen zügig über die ersten Steigungen. Nach der 2. Verpflegungsstation und ca. 120km (das war auch meine maximale Trainingsdistanz dieses Jahr) war ich aber schon einigermaßen platt. Zu dem Zeitpunkt lag allerdings noch mehr als die Hälfte der Strecke vor mir, vor allem der Anstieg auf den Kandel, auf über 1.200Hm (am Beginn des Anstiegs bewegten wir uns auf ca. 270Hm). Zu dem Zeitpunkt hatten alle Teilnehmer der langen Runde schon ordentlich Höhenmeter hinter sich gebracht, meine Beinmuskulatur verweigerte auch zu dem Zeitpunkt zum ersten (zum Glück auch einzigen) mal die Zusammenarbeit. Nach einigen Dehnungen und Lockerungs-Übungen ging’s dann aber doch und ich konnte den 2. Teil des Marathons in Angriff nehmen. Nach ca. 90 Minuten war ich dann auch auf dem Kandel angekommen.

Ab da bewegte sich die Strecke auf hohem Niveau über 700Hm in einem ständigen auf und ab. Mein Tempo nahm aber nur noch ab, die langen Steigungen rauf bewegte ich mich meist nur noch im einstelligen km/h Bereich. Mein Puls war eigentlich völlig in Ordnung, aber die Kraft in den Beinen nicht mehr vorhanden. An der vorletzten Verpflegungsstation, nach ca. 180km lag ich nur noch eine Stunde vorm Besenwagen. Nach der Distanz war mein größter Horror, das Zeitlimit zu überschreiten und in diesen Bus steigen zu müssen. An der letzten Verpflegung angekommen hatte mich der Besenwagen allerdings schon eingeholt, einsteigen musste ich zum Glück aber noch nicht. Für die Nachzügler hatte die Mannschaft an dieser Verpflegung sogar ein paar Schaschlickspieße frisch vom Grill übrig, dazu gab es traditionell an dieser letzten Station alkfreihes, kaltes Hefeweizen von einem Hauptsponsor! Dermaßen gestärkt ging ich die letzten 40km ins Ziel an. Die Sonne schien noch überm Horizont und ich wollte es ab jetzt ganz gemütlich angehen, aber diese 40km haben sich dann doch noch seeeehr lange gezogen.

Da ich nicht sonderlich flott unterwegs war, konnte ich den Anschluss an keine Gruppe halten, weshalb ich den größten Teil der gesamten Strecke alleine unterwegs war. Als ich dann letztendlich nach über 12 Stunden ins Ziel gerollt bin, wurde dort schon abgebaut und das obwohl dem veranstaltenden Verein doch klar sein musste, dass noch Teilnehmer unterwegs sind. Naja, ich bin bei dieser Veranstaltung eindeutig über meine Grenzen gegangen, weshalb ich umso mehr glücklich darüber bin, dass ich es geschafft habe. Zum Glück war das ganze nur eine RTF, es fand also keine Zeitnahme statt. Würde es Ergebnislisten geben, müsste ich nach meinem Namen wohl ganz unten schauen. Ich war auf so eine Distanz sicherlich auch nicht richtig vorbereitet, das nächste mal sollte ich besser darauf hin Trainieren, um nicht erst in der Abenddämmerung einzulaufen.

Gestern hatte ich zum Glück Urlaub genommen, als ich mich nach ca. 11:30 Stunden Schlaf aus dem Bett bewegen wollte, war die “Freude” groß. Trotz der Schmerzen im Nachhinein und auch während der Teilnahme, trotz des eisigen Winds der den ganzen Tag gepfiffen hat und meiner Flüche, war es doch eine tolle RTF und eine Erfahrung wert.

Die Veranstalter gaben an: 242km, 3600Hm

Da es keine offizielle Zeitnahme gab, hier die Daten, die ich selber aufgezeichnet habe:

  • Distanz: 247km (Garmin-GPS), 235km (GPSies.com)
  • Höhenmeter: 4007 Hm (Garmin-GPS), 3892 Hm (Sigma-Tacho), 4.716 Hm (GPSies.com) – Die Werte die auf GPSies.com ausgegeben werden, finde ich dann doch etwas zu viel. Ich denke die Wahrheit liegt irgendwo zwischen den offiziellen 3600Hm und 4000Hm.
  • Gesamtzeit: 12:16h
  • Zeit in Bewegung: 10:44h
  • Schnitt in Bewegung: 23km/h

9 Responses to “SURM – Ultra Radmarathon”

  • tAXMAN Says:

    Hut ab! Du schilderst das alles so, wie ich es mir vorgestellt habe. Hammerhart.
    Auf jeden Fall kennst du jetzt deine Grenze und weißt, was du nächstes Jahr in der Vorbereitung zu machen hast. Reizen würde mich sowas ja auch mal, aber wegen mir dürften es ruhig 2 oder 3 Kellen weniger sein.
    RESPEKT für die T(ort)(o)ur! :neutral:

  • mat Says:

    Ja mir fehlt einfach die Kraftausdauer für solche Strecken. Also nächstes Jahr, mehr Langstreckentraining, dann sollte das besser klappen.
    2 oder 3 Kellen weniger wäre dann die 150km-Runde gewesen. Das solltest Du Dir überlegen, es ist sehr schön hier im Schwarzwald… :mrgreen:

  • tAXMAN Says:

    War das jetzt ‘ne Einladung? Pass auf was du schreibst, ich nehm sowas Ernst. :wink:

  • cmat Says:

    Ein Schwarzwald-Marathon ist sicher immer ein Reise wert. Es gibt auch genug Veranstaltungen früher im Jahr, die dann auch vom Wetter her mehr Sicherheit bieten…

  • Motivationsproblem | hausrunde.de Says:

    [...] schaff ich es nicht wirklich, mich zu motivieren auf’s Rad zu sitzen. Nach dem Surm vor 2 Wochen war eine Woche Auszeit geplant, die nahtlos in eine 2. – nicht geplante – [...]

  • Schluss | hausrunde.de Says:

    [...] mehr als letztes Jahr, als ich 6 Wochen am Beginn der Saison Zwangspausieren musste). Nach dem Surm vor 3 Wochen sollten die 600Hm des Energy Race (über 30km) doch kaum der Rede Wert [...]

  • Sigma BC 2006 - Erfahrungsbericht Part II | cybermat.de Says:

    [...] Tag vor der Teilnahme am Surm hab ich den neuen Tacho am Rennrad montiert, diese Langstrecke sollte eigentlich ein guter Test [...]

  • Knapp verpasst | cybermat.de Says:

    [...] sollten zu schaffen sein, zumal ich mir mehr Langstrecken vorgenommen habe, denn der nächste SURM kommt [...]

  • SURM 2010 | cybermat.de Says:

    [...] liegt darin begründet, dass ich die Veranstaltung in keiner guten Erinnerung habe. Nach meiner ersten Teilnahme vorletztes Jahr wollte ich dieses mal eigentlich vor dem Abbau des Zielbereichs in Alpirsbach [...]

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